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Umweltfreundliche und rückstandsfreie Bekämpfung der Roten Vogelmilbe in der Geflügelhaltung

Ref-Nr: TA-09/097TLB


Kurzfassung

Die Rote Vogelmilbe verursacht weltweit große Schäden bei Nutz-, Zier- und Rassegeflügel. Wissenschaftler der Universität Hohenheim nutzen das natürliche Verhalten des Parasiten, um ihn wirksam, ohne Gefahr der Resistenzbildung und ohne Risiko für das Geflügel zu bekämpfen. Hierfür bieten sie den temperaturempfindlichen Milben einen artgerechten Unterschlupf an, der dann gezielt so weit erhitzt wird, dass die Milben in allen Entwicklungsstadien abgetötet werden. Da es sich um ein rein mechanisches Verfahren handelt, fallen die Gesundheitsrisiken weg, die mit der chemischen Bekämpfung der Vogelmilbe verbunden sind. Ein weiterer Vorteil der Methode ist die Zeitersparnis, die sie für das Personal mit sich bringt, da die Heizvorrichtung durch eine SPS-Anlage regelbar ist und während der Behandlung nicht überwacht werden muss.


Hintergrund

Die Rote Vogelmilbe ist der am weitesten verbreitete Ektoparasit bei Geflügel. Er tritt weltweit auf und richtet große wirtschaftliche Schäden an. Allein in der EU wurden die Schäden, die die Rote Vogelmilbe verursacht, auf 130 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Neben direkten Schäden am Geflügel haben die Milben auch Auswirkungen auf die Tierbetreuer, die bei hohem Milbenbefall des Geflügels ebenfalls befallen werden. Die Milben verursachen beim Menschen Hautirritationen und Juckreiz und können zur Entwicklung von Allergien beitragen (Mul et al., 2009: World`s Poultry Science 65:589 -599).


Bilder & Videos


Problemstellung

Die bisherigen chemischen Behandlungsmethoden waren langfristig nicht erfolgreich, da der Parasit relativ schnell Resistenzen entwickelt. Die Behandlung mit Silikatstaub ist wirksam, muss jedoch häufig wiederholt werden und ist mit einer Belastung für die Tiere und deren Betreuer (Gefahr von Silikose) verbunden.
In verschiedenen Ländern werden die Geflügelställe nach dem Ausstallen der Tiere für 2 Stunden auf 60 °C oder für mehrere Stunden auf 45 °C aufgeheizt. Das Aufheizen des gesamten Stalles ist aber mit hohem Energieeinsatz verbunden. Teilweise wird die Maßnahme mit einer Akarizidbehandlung kombiniert.


Lösung

Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben eine Methode zur Bekämpfung der Roten Vogelmilbe entwickelt, die sich sowohl deren Temperaturempfindlichkeit als auch die Tatsache zunutze macht, dass der Parasit nicht auf dem Wirt verbleibt, sondern diesen nur nachts befällt und sich nach der Nahrungsaufnahme bevorzugt in dunkle Hohlräume in der Nähe des Wirtes zurückzieht.
Da insbesondere Legehühner vorzugsweise auf Sitzstangen übernachten, versucht man herkömmlich, diese Sitzstangen so zu gestalten, dass sie dem Parasiten keine Verstecke bieten.
Die vorliegende Methode nutzt im Gegensatz dazu das natürliche Verhalten des Parasiten, indem sie in der Stange ein ideales Versteck für die Milbe schafft, welches dann gezielt erhitzt wird, so dass die Milben und ihre Gelege absterben.
Hierzu werden die Sitzstangen als hohle Metall- oder Kunststoffrohre ausgeführt und mit kleinen Bohrungen versehen. Im Bereich der Bohrungen siedeln sich innerhalb kurzer Zeit Milben an. Wird dann die erfindungsgemäße Heizvorrichtung durch die Sitzstangen geführt, werden diese Milben abgetötet.
Da eine Abhängigkeit zwischen Temperatur und Dauer der Behandlung besteht, können die beiden Faktoren so aufeinander abgestimmt werden, dass beispielsweise die Heizvorrichtung mit einer Eigentemperatur von 150 °C und einer Transportgeschwindigkeit von 10 cm/s durch die Sitzstange geführt wird. Dabei werden die Milben für 1 bis 2 s einer Temperatur von 100 °C ausgesetzt, was sie zuverlässig abtötet. Unter diesen Bedingungen ist die Behandlung einer Sitzstange von 100 m Länge innerhalb von 17 min abgeschlossen. Dabei erhöht sich die Temperatur an der Oberfläche der Sitzstange nicht wesentlich, sodass die Hühner gesundheitlich nicht beeinträchtigt werden, selbst wenn sie die Stange nicht verlassen.
Dadurch, dass in der Standard-Ausführung Temperatur und Geschwindigkeit der Heizvorrichtung durch eine SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) geregelt werden, sind – bei Einstellen der automatischen Abschaltung – die Tierbetreuer während dieser Zeit frei für andere Arbeiten im Stall.
Für kleinere Ställe im Bereich der bäuerlichen Geflügelhaltung und der Rassegeflügelzucht kann in einer weiteren Ausführung die Heizvorrichtung auch mit fest eingestellter maximaler Temperatur angeboten werden. Die Führung durch die Sitzstangen erfolgt dann manuell.
Alle für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens benötigten Komponenten sind auf dem Markt erhältlich und können mit Herstellungsverfahren nach dem Stand der Technik produziert werden. Dies trägt dazu bei, dass für den Endkunden eine Amortisation der Anlage nach ca. einem Jahr zu erwarten ist.


Vorteile

  • Keine Resistenzbildung
  • Anwendung auch während der Legeperioden ohne Risiko von Rückständen in den Eiern
  • Amortisation der Anlage innerhalb eines Jahres
  • Keine gesundheitlichen Risiken für Personal und Nutztier
  • Zeitersparnis gegenüber herkömmlichen Methoden
  • Niedrige Einrichtungs- und Betriebskosten
  • Einfach nachrüstbar in bestehenden Einrichtungen mit hohlen Metall- oder Kunststoffsitzstangen
  • Anwendung bei Nutz-, Zier- und Rassegeflügel 

Anwendungsbereiche

Bekämpfung der Roten Vogelmilbe bei Nutz-, Zier- und Rassegeflügel.


Service

Die Technologie-Lizenz-Büro GmbH ist mit der Verwertung der Technologie beauftragt und bietet Unternehmen die Möglichkeit der Lizenznahme.


Technologie-Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH

Dr. Frank Schlotter
+ 49 721 790 040
fschlotter@tlb.de
www.tlb.de
Adresse
Ettlinger Straße 25
76137 Karlsruhe



Entwicklungsstand

Prototyp


Patentsituation

  • DE erteilt
  • FR erteilt
  • US anhängig

Stichworte

Vogelmilbe, Dermanyssus gallinae

Angebot Anbieter-Website


Kontakt | Geschäftsstelle

TechnologieAllianz e. V.
Christiane Bach-Kaienburg
(Geschäftsstellenleiterin)

c/o PROvendis GmbH
Schloßstr. 11-15
D-45468 Mülheim an der Ruhr